| Karneval: Ein wenig wissenschaftlich betrachtet | | Drucken | |
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Alaaf und Helau!
Lachen, Singen, Tanzen, Verkleiden sind die Kennzeichen für Karneval. Und sie helfen, uns aus dem Alltag zu lösen, Spaß zu haben, locker und aufgeschlossen zu sein. Und sie stehen nicht für Exzesse und "die Sau rauslassen".
Jubel- oder Schlachtrufe - "Alles ab" und Halleluja In den rivalisierenden Jeckenhochburgen erklingt das "Alaaf" aus Köln gegen das "Helau" aus Düsseldorf. Doch woher stammen diese karnevalistischen Schlachtrufe? Nicht nur ihnen, sondern dem gesamten traditionsreichen Brauchtum des Karnevals sind Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen nachgegangen. Wie die Domstadt ist auch der Jubelruf Alaaf offensichtlich älter: Im 15 Jahrhundert soll Alaaf als Trinkspruch erstmals auf Bierkrügen aufgetaucht sein: Al-aff = alles ab oder dem Sinne nach: Nichts geht über einen guten Trunk. Erst etwa 1830 setzte sich in Düsseldorf das Helau durch, in Mainz hundert Jahre später. Ob nun dieser Karnevalsruf auf das kirchliche "Halleluja" oder auf das englische "Hello" zurückgeht, bleibt offen. Andere witzeln, es bedeute "Hellblau" im Unterschied zur Trinkverfassung "völlig blau".
Lachen - Es ist wirklich ansteckend Heute weiß man, dass Lachen das Lustzentrum im Gehirn anregt, was über verschiedene Stationen bewirkt, dass körpereigene Opiate ausgeschüttet werden. Das Belohnungssystem im Gehirn setzt Dopamin frei, das wiederum führt zur Ausschüttung von Endorphinen: Freude und Heiterkeit werden erlebt. Und Lachen ist ansteckend. Im Gehirn werden Strukturen aktiviert, die unsere Bewegungssteuerung und unser Mitgefühl steuern. Wenn es jemandem schlecht geht, leiden wir mit. Und wenn andere lachen und wir fröhliche, bunt geschminkte Gesichter sehen, freuen wir uns mit!
Singen - Es verbindet und macht mitfühlender Wie ist mit dem das Singen? Auch hier helfen Wissenschaftler weiter. Singen führt zur erhöhten Ausschüttung von Glücks- und zum Abbau von Aggressionshormonen. Das Wohlbefinden steigt, und wir werden aufgeschlossener und mitfühlender für andere (empathisch), auch für den gemeinsamen Spaß. Fragt sich am Rande: Singen deswegen die Guttempler/innen gemeinsam auf ihren großen Sitzungen, bevor die Beratungen losgehen und nachdem sie beendet sind?
Altweiber - Der beherzte Griff nach der Krawatte An Altweiberfastnacht profitieren heute die Männer davon, dass der Krawattenzwang weithin abgeschafft ist. Oder die Pfiffigen unter ihnen brachten früher gleich mehrere, ausrangierte Ersatzschlipse mit, wenn die tollen Weiber beherzt mit Scheren auf Chefs und Kollegen zustürzten und ihnen die Krawatten abschnitten. Doch nein, eine Kastration der Männer symbolisiert das nicht, sagen die Wissenschaftler. Vielmehr war der Schlips früher ein Statussymbol, und wenigsten an Altweiberfastnacht sollte der Rangunterschied außer Kraft gesetzt werden.
Karneval oder Fastnacht - Fleisch, lebe wohl! Eindeutig ist der christliche Ursprung von Karneval, er stammt nicht von Fruchtbarkeitsriten oder der Winteraustreibung der Germanen ab. Er markiert vielmehr den Beginn der Fastenzeit, in der auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichtet wurde. So wird das Wort Karneval auch auf das Lateinische "carne vale" = Fleisch, lebe wohl! zurückgeführt, und auch der Begriff Fastnacht bezeichnet die Nacht vor Beginn der Fastenzeit. Zudem richtet sich der Termin des Karnevals schon seit dem Mittelalter nach der Fastenzeit, die immer sechs Wochen vor Ostern beginnt.
Masken - Ich bin mal jemand anderes In einem Kostüm, mit einer Maske können wir mal probieren, eine andere Rolle zu leben, mit einer anderen Identität zu spielen. In einem begrenzten Zeitraum können wir eine Art zweites Leben führen, ein wenig unsere Kindheitsträume verwirklichen, meinen die Wissenschaftler. Die Verkleidung, die Maske ist eine Auszeit von der Normalität, aber auch von sich selbst als Alltagsmensch, Urlaub von der eigenen Person. JF 02/2012 |